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Bewusstseinsschulung Teil 4: Loslassen – aber wie?

In der letzen Woche ging es darum, Vertrauen in das Leben zu entwickeln. Loslassen und Hingabe sind wichtige Steine im Fluss des Lebens. Heute beschäftigen wir uns mit dem Loslassen.

Seit ein paar Jahren hört und liest man in allen sogenannten New-Age-Bewegungen und von Menschen, die sich mit Bewusstsein beschäftigen, immer häufiger, dass wir loslassen sollen. Wir sollen Menschen, Umstände und Dinge in unserem Leben loslassen.

Aber wie macht man das genau?

Wir haben es ja nicht gelernt. In unserer Erziehung und auch in der unserer Eltern und Großeltern, ging es um festhalten, sicherstellen, etwas aufbauen und Dinge anhäufen. Nicht um Loslassen, nicht um Gelassenheit, um Hingabe oder Akzeptanz.


Diese Begriffe sind in unserem Verstand mit Verlust, Negativität, Unterwerfung oder Aufgabe verknüpft. Allein der Gedanke daran macht uns Angst oder zumindest unsicher. Loslassen und Hingabe können wir nicht von jetzt auf gleich lernen. Dazu gehören einige Schritte. Unsere inneren Programme und Gedankenmuster zu durchbrechen braucht Zeit – und Aufmerksamkeit. Unser Verstand ist unablässig am arbeiten. Meist geschieht dies unbewusst. Zunächst einmal müssen wir Licht in das Dunkel bringen, das in unserem Kopf herrscht.

Genau da liegt der Schlüssel: Unser Verstand! Wir sind auf verstandesmäßige und intellektuelle Weise erzogen worden. Damit ist der Verstand unser größtes Problem, wenn wir lernen wollen, wie man loslässt. Wir sind ausschließlich mit dem Verstand (manche nennen ihn auch Ego) identifiziert. Aber es gibt eine gute Nachricht: Wir sind nicht unser Verstand!

Habt Ihr schon einmal versucht, Euren Verstand zu beobachten? Das geht! Wenn wir uns darauf konzentrieren, könenn wir unseren Verstand – die Stimme in unserem Kopf, die alles kommentiert und bewertet – beobachten. Wir können ihm zuhören und gleichzeitig feststellen, welche Worte er wählt, um uns zu lenken. Wir können den Denker in unserem Kopf beobachten. Das heißt eindeutig, dass da noch etwas anderes in uns ein muß – eine andere Präsenz – etwas, das tiefer und größer sein muss, als unser Verstand, findet ihr nicht?

Probier es einmal aus.

Diese Übung habe ich in dem Buch “JETZT! Die Kraft der Gegenwart” von Eckhart Tolle gefunden (frei zitiert):

Lehne dich einmal zurück und höre in Ruhe zu, was dein Verstand jetzt gerade denkt. Du wirst vielleicht feststellen, dass es etwas dauert, bis der nächste Gedanke kommt. Dieser nächste Gedanke kann zum Beispiel sein: “Ich höre nix, so ein Quatsch!” oder “Was soll ich jetzt denken?” oder sowas in der Art. Damit hast du schon den ersten Schritt getan. Du bist zum Beobachter des Denkers in deinem Kopf geworden!

Diese Übung kannst du jeden Tag, immer wenn du daran denkst einmal durchführen. Es merkt ja keiner ;-) Mit der Zeit wirst du feststellen, dass durch immer öfter, ganz automatisch, den Denker in dir beobachtest und vielleicht wirst du manchmal darüber lachen können. Du wirst bestimmt erstaunt sein, was da ohne dein bewusstes Zutun und – bisher – ohne deine Aufmerksamkeit – passiert ist. Wie du dich steuern lässt, ohne es zu merken.

Diese Stimme in deinem Kopf steuert dein Handeln, weil du über die Jahre deines Lebens für fast alle Situationen ein Programm erarbeitet hast, nach dem du vorgehst, wenn bestimmte Umstände auf dich einströmen. Das alles läuft unbewusst ab. Aber mit dieser kleinen Übung bringst du Aufmerksamkeit in diese automatischen Abläufe und kannst mit der Zeit Muster erkennen. Dabei kannst du auch lernen, diese Automatismen bei Bedarf zu verändern oder ganz abzustellen. Das wird nicht immer gelingen – aber immer öfter.


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