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Selbstmord bei Jugendlichen

traurigIn den letzten Jahren liest man immer wieder in den Tageszeitungen oder hört in den Nachrichten von Jugendlichen, die sich das Leben nehmen. Suizid ist nach wie vor ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. Die Angehörigen fühlen sich gebrandmarkt und haben Angst vor den Blicken und dem Gerede der Leute.

Laut Angaben der „Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie (DGKJP)“ jedes Jahr nehmen sich über 200 Teenager zwischen 15 und 19 Jahre das Leben, hinzu kommen 30 bis 40 Suizide von Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren. Dabei töten sich Jungen öfter selbst, Mädchen unternehmen hingegen mehr Selbstmordversuche.  (Quelle: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de , Stand: 11/2009)

Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher, weil Eltern aus Angst vor der Schuldzuweisung durch die Umwelt, den Selbstmord als Unfall oder Unglück hinstellen.

Aber was führt Jugendliche in diesen vermeintlich letzten Ausweg?

Zu unterscheiden ist hier nach dem Grund und dem Auslöser. Diese beiden Faktoren haben meist nichts miteinander zu tun.

Was sind solche aktuellen Auslöser?

Der Verlust eines Elternteils durch Scheidung oder Tod, der Verlust eines geliebten Haustieres, ein Umzug in eine neue Umgebung, fehlende Freunde, Drogenprobleme, ein Verkehrsunfall, Kriminalität oder Probleme in der Schule bringen Kinder und Jugendliche oft auf Selbstmordgedanken. Auch Liebeskummer, Mobbing in der Schule oder im Verein, Nachahmung, Depression oder Misshandlung können Gründe dafür sein, dass ein junger Mensch nicht mehr Leben möchte. Häufig ist es auch ein Hilfeschrei, Protest oder soll eine Botschaft vermitteln.

Wieso? – die Frage nach dem Grund

Das ist wohl die quälendste Frage, die sich die Angehörigen stellen.

Die Frage ist verlockend, weil sie Hoffnung gibt, dass es eine einfache Antwort gibt. Aber die gibt es nicht – es gibt keine einfache Antwort darauf. Meist gibt es nicht einen einzigen Auslöser und oft ist der Grund nicht wirklich zu klären und schon gar nicht zu verstehen.  Eine ganze Kette von Enttäuschungen und Zurückweisungen, die nicht verarbeitet wurden oder für die es in den Augen der Jugendlichen keine Lösung gibt. Manchmal soll der Suizid(versuch) auch eine Botschaft an die Umwelt sein. Wut auf die Welt und allgemeine Überforderung und Versagensängste, Probleme in der Familie, der Schule oder im Freundeskreis sind mögliche Gründe. Aber auch Depressionen, besonders bei erblicher Vorbelastung, werden bei Jugendlichen oft unterschätzt.

Wie gehen Angehörige damit um?

Eltern und Geschwister befinden sich in einem psychischen Ausnahmezustand.

Zu dem Schock und der Trauer über den Verlust des geliebten Kindes, der unfassbar und unbegreiflich ist, kommen noch Selbstvorwürfe und Ärger oder Wut über das Verlassenwerden. Sie versuchen oft ungewöhnliche oder einfache Erklärungen zu finden.

Leider ist es für die betroffenen Familien sehr schwer, sich aus der Schuldfrage zu befreien. Sie machen sich Vorwürfe, fragen sich, was sie hätten anders machen können – ob sie den Selbstmord des Kindes oder des Geschwisters hätten verhindern können. Quälende Fragen, die die Hilflosigkeit und das Unverständnis ausdrücken.

Wie soll das Leben weitergehen? Die Zeit kann nicht mehr zurückgedreht werden.  In den vielen Fällen ist der Grund nicht mehr festzustellen. Statt unentwegt nach Erklärungen zu suchen, sollten die Angehörigen versuchen zu lernen, den Selbstmord zu akzeptieren.

Hilfe für Angehörige um Suizid gibt es hier: www.agus-selbsthilfe.de

Dieser Verein besteht seit 1989 und hilft Angehörigen durch Beratung und Betreuung sowie durch die Vermittlung von Selbsthilfegruppen deutschlandweit.

Oder auch hier: Bundesverband verwaiste Eltern e. V. www.veid.de

Hinweise für Angehörigen in den ersten Tagen findet ihr hier: Flyer für Angehörige

Wie kann man vorbeugen? Hinweise zur Prävention

Was sind die Warnzeichen?

Hauptanzeichen ist natürlich die Selbstmorddrohung. Solche Warnzeichen sollten immer ernst genommen werden, denn die Ernsthaftigkeit einer solchen Drohung ist meist schwer abzuschätzen. Aussagen wie „Es hat doch alles keinen Zweck mehr!“ oder „Es muss jetzt was passieren!“ weisen auf eine große Hoffnungslosigkeit hin, die sehr ernst genommen werden muss. Rückzug von bisher geliebten Hobbys, Schule schwänzen, Verschenken der Lieblingssachen oder Essstörungen sollten ebenfalls unsere Aufmerksamkeit erregen. Verschlossene Kinder und Jugendliche sind eher gefährdet, als solche, die offen über ihre Gefühle und Schwierigkeiten sprechen. Plötzliche Gelassenheit oder sogar Euphorie nach einer Phase von Traurigkeit oder Zurückgezogenheit kann ein Hinweis sein, dass eine Entscheidung in einer bisher belastenden Situation getroffen wurde! Schwerwiegende chronische Erkrankungen oder psychosomatische Beschwerden können große Belastungsfaktoren sein. Hier ist Aufmerksamkeit geboten. Weiterhin sind Drogen- und/oder Alkoholkonsum ein Indiz für fehlenden Halt.

Meist ist es ein aktueller Auslöser, der Jugendliche dazu führt, ihr Leben zu beenden. Sozusagen ein Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt und zu Kurzschlussreaktionen führt.

Was kann helfen?

  • Herstellung eines guten und vertrauensvollen Kontaktes zum Kind/Jugendlichen
  • Vermeiden von Vorhaltungen
  • geduldiges und aufmerksames Zuhören
  • konkret nach Suizidgedanken fragen
    (die Sorge, dadurch Suizidimpulse anzuregen, ist unbegründet!)
  • Vermitteln von Zuversicht, dass es Hilfe gibt, auch wenn die/der Betroffene zunächst abwehrend reagiert
  • professionellen Hilfeangebote in Anspruch nehmen

Wo finde ich Hilfe?

Für Kinder, Jugendliche und Eltern gibt es bei akuten Krisen Hilfe über Beratungsstellen der Jugendämter, Erziehungsberatungsstellen und Ehe-, Familien-, Lebensberatungsstellen in den Gemeinden.

Telefonseelsorge (kostenfrei und rund um die Uhr)                 0800/1110111  evangelisch
und                                                                                                       0800/1110222  katholisch

Kinder- und Jugendtelefon                                                             0800-1110333

NEUhland e. V., Hilfe f. suizidgefährdete Jugendliche             www.neuhland.net

Kids-Hotline, Onlineberatung für Jugendliche                           www.kids-hotline.de

Online Beratung in Krisensituationen                                          www.das-beratungsnetz.de

Jugendliche helfen Jugendlichen per Mail oder Chat               www.youth-life-line.de

Nakos (nationale Selbsthilfegruppen)                                         www.nakos.de

Kummernetz e. V.                                                                              www.kummernetz.de

Bücher zum Thema Suizidgefahr bei Jugendlichen

Bitte hört, was ich nicht sage.

“Ich mach Schluss, mich vermisst ja doch keiner!” – Suizidalität von Jugendlichen als Symptom der depressiven Störung

foto: © aksel / PIXELIO www.pixelio.de



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