Spenden sammeln für Afrika?
Die Weihnachtszeit ist auch immer die Zeit, in der an die spendenbereitschaft der Menschen appelliert wird. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen es auch in Deutschland immer mehr Menschen gibt, die an der Armutsgrenze leben, ist es manchmal schwer auszuhalten, dass immer wieder für Projekte in Afrika, Asien oder so gesammelt wird. Normalerweise bin ich auch der Meinung, dass das Geld im eigenen Land vielleicht besser angelegt wäre. Doch in diesem Fall ist das anders:
Gestern Abend lief im ZDF das Promiquiz “Gut zu wissen” mit Markus Lanz. Dieses mal spielten die Spieler zugunsten der Welthungerhilfe und es konnte auch während der Sendung und danach gespendet werden.
Als Gäste waren Horst Lichter, Katrin Müller-Hohenstein, Wolfgang Niedecken, Andrea Kiewel, Andy Borg und Barbara Hahlweg dabei. Sie erspielten für jede richtig beantwortete Frage je 6.000 € zugunsten von 3 Projekten der Welthungerhilfe in Laos, in Kenia und im Kongo. Telefonpaten für die Live-Spenden während der Sendung waren unter anderen Claudia Jung, Horst Janson und Jenny Elvers-Elbertzhagen.
Mich haben vor allem die Berichte der Gäste über ihre Reisen in die betroffenen Gebiete bewegt.
So erzählte Wolfgang Niedecken von seinen Erfahrungen im Kongo – von Kindersoldaten, die dort immer noch zwangsweise rekrutiert werden, von vergewaltigten Frauen, die sich wegen der Schande nicht trauen, ihre Vergewaltiger anzuzeigen. Wenn sie es doch wagen, kommen die Männer zwar ins Gefängnis, werden aber für 20 $ Bestechungsgeld an die Wärter wieder entlassen. Die Frauen leben danach in Todesangst. Mal ganz abgesehen von den körperlichen und psychischen Schäden, die bei den Frauen zurückbleiben, müssen sie ständig Angst haben, dass der Peiniger wieder kommt und sich rächt. In der Gesellschaft sind die Frauen geächtet. Die Schuld liegt bei ihnen – nicht bei den Verbrechern. Sie werden niemals heiraten, oder von ihrem vorhandenen Ehemann verstoßen. Ich finde das wirklich erschütternd. Unglaublich, wie in dieser Kultur mit Menschen umgegangen wird. Wolfgang Niedecken sagt so treffend: “Schwer auszuhalten, was wir da erfahren!” – dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Einen Bericht über seinen Besuch im Kongo findet ihr hier.
Die Berichte von Laos und Kenia findet ihr ebenfalls auf der Website der Welthungerhilfe und im Welthungerhilfe-Blog.
Ich finde, da muss was getan werden. Da kann man doch nicht einfach wegsehen!
Was macht die Welthungerhilfe? Wie hilft sie?
Die Welthungerhilfe bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Hier werden keine Almosen verteilt, sondern den Menschen wird die Möglichkeit gegeben, sich eine Existenz aufzubauen, damit sie es schaffen, ihre Familien zu ernähren.
Auf der Homepage der Organisation liest sich das so:
“Die Welthungerhilfe leistet Hilfe aus einer Hand: von der schnellen Nothilfe nach einer Katastrophe bis zu langfristigen Projekten mit einheimischen Partnern. Den Hunger zu überwinden heißt für uns auch, die Armut überwinden. Wir unterstützen in Not und Armut geratene Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, Konfession oder Weltanschauung. Helfen kann aber nicht heißen, Geschenke zu verteilen. Wirksame Hilfe heißt: Menschen Chancen zu eröffnen, ihr Leben, ihre Zukunft frei von Hunger und Not selbst zu gestalten – Hilfe zur Selbsthilfe.”
(Quelle: Auszug aus: www.welthungerhilfe.de/aufgaben_und_ziele.html, Stand 19.11.2009)
Tags: Bewusstsein, Geld, Wissen
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29.11.2009 um 19:27
Ja, auf den ersten Blick mag man meinen, das Geld sollte erst im eigenen Land investiert werden und diese Meinung lasse ich auch gelten. Ich persönlich sehe es in den Fällen, in denen Spenden für diese oben aufgeführten Weltregionen als hilfreicher und moralisch und ethisch als sinnvoller. Natürlich haben wir in den eigenen Ländern arme Menschen, jedoch verhungert, verdurstet, erfriert hier niemand und das Rechtssystem – auch wenn nicht das Beste – schützt uns weit gehend vor Übergriffen anderer. Mit relativ wenig Geld können wir in diesen fernen Teilen unserer Welt – ja, diese Regionen sind auch unsere Welt – viel Unterstützung leisten, dass Menschen ein würdevolleres Leben führen dürfen. Oder sich zumindest realistisch eine Hoffnung machen dürfen. Wir sind alle Nachbarn auf diesem wunderschönen, gar nicht so grossen Planeten.
Herzlich
Davor Baggio
29.11.2009 um 19:56
Lieber Davor,
da stimme ich Dir absolut zu. Genau deshalb habe ich mich in diesem Fall umentschieden. Manchmal erscheint uns Afrika oder Asien als sehr weit entfernt und wir haben keinen direkten Zugang zu der Not der Menschen dort. Ich selbst war noch nicht da und fühlte mich deshalb bisher nicht so berührt von dem Leid der Menschen dort, wie bei Menschen in meiner direkten unmittelbaren Umgebung. Die Sendung hat mich buchstäblich wachgerüttelt und das Leid bekam “ein Gesicht”. Gerade in der Vorweihnachtszeit erreichen uns ja zahllose Spendenbitten von allen möglichen Organisationen – da verliert man schnell das Bewusstsein dafür, was da wirklich hinter steckt…
Danke für Deinen hilfreichen Kommentar!