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Bewusstseinsschulung Teil 3: Gutes bleibt!?

Letze Woche ging es darum, das Leid festzuhalten, um die Identität nicht zu verlieren.
Ein weitaus verbreiteteres Phänomen in unserer westlichen Welt ist aber der – manchmal verzweifelte – Versuch, das Glück festzuhalten. Wir glauben, dass das Glücklichsein der einzig erstrebenswerte Zustand ist. Dabei vergessen wir, dass wir das Glück nur wirklich geniessen können, wenn wir auch die andere Seite kennen.

Wir versuchen, einen anderen Menschen festzuhalten, an uns zu binden, weil wir glauben, ohne ihn nicht leben zu können. Und stellen plötzlich fest, dass er uns immer mehr entgleitet. Wir versuchen, schöne Erlebnisse zu wiederholen – immer und immer wieder, damit dieses schöne, positive Gefühl bleibt. Und stellen fest, dass es immer mehr davon braucht, damit das Gefühl auch wirklich annähernd bleibt.

Meist verflüchtigt es sich aber trotzdem.

Genau dieses Festhalten und wiederholen wollen ist es, dass dazu führt, dass sich das gute Gefühl auflöst. Weil es zum Zwang wird und Krampf. Es ist ein Irrglaube, dass wir immer glücklich sein können. Das wäre unvorstellbar und auch gar nicht erstrebenswert. Stellen wir uns nur einmal vor, wir würden immer, jeden Tag, jede Minute, glücklich sein. Wie könnten wir das noch feststellen? Wie könnten wir dieses Gefühl, das immer da ist noch wahrnehmen? Wir Menschen leben von der Polarität. Wir können Gutes nur wahrnehmen, wenn wir auch Schlechtes kennen. So wie wir das Hier nur kennen, weil wir auch das Dort kennen. Das Große nur erkennen, weil wir auch das Kleine kennen. Wir brauchen Relationen in unserem Leben. Wir können nur vergleichend denken. Unser Gehirn vergleicht immer das gerade Erlebte, Gesehene, Gehörte mit den bisherigen Erfahrungen. Also brauchen wir auch Talfahrten, damit wir die Höhepunkte in unserem Leben auch wirklich geniessen können. Welch eine Befreiung ist es, wenn wir ein paar schlechte Wochen oder Monate hinter uns haben und plötzlich sehen, wie es wieder steil bergauf geht und das Leben uns wieder auf die Sonnenseite führt. Wir können das Positive doch viel besser genießen, wenn wir eine schlimme Zeit gut überstanden haben. Und rückwirkend betrachtet waren die meisten schlechten Zeiten doch auch für irgendetwas gut, oder!? Wir wachsen an Schwierigkeiten, wir lernen uns selbst besser kennen, wir erkennen das Gute am Schlechten fast immer im Nachhinein. Wie schön wäre es also, wenn wir es öfter schaffen würden, das Gute am Schlechten in der schwierigen Zeit zumindest schon zu erahnen. Am schönsten wäre es aber, wenn es uns gelingen würde, ein Vertrauen in das Leben aufzubauen, das uns erlaubt, hinter jeder Erfahrung ein Geschenk zu erahnen. In dem Bewusstsein, dass das Leben uns immer gut gesonnen ist, und alle subjektiven negativen Zeiten ein weiterer Schritt hin zu mehr Lebenserfahrung sind.


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