Vom Umgang mit Trauernden
Als Angehörige, Freunde oder Nachbarn haben wir oft Berührungsängste den Trauernden gegenüber. Wir fühlen uns hilflos. Der Schmerz der Trauernden macht uns Angst, weil wir nichts tun können, um diesen Schmerz zu mildern. Schön und hilfreich ist es, wenn uns der Trauernde selbst anspricht, und um Hilfe bittet. Leider tun viele Trauernde dies aus Scham oft nicht.
Dabei ist es meist ganz einfach, Unterstützung zu geben:
Zeit schenken
Trauern ist ein sehr einsamer, persönlicher Prozess. Der Mensch braucht vor allem Zeit und Ruhe, die Trauer zu verarbeiten. Wir versuchen nicht, den Trauernden abzulenken. Jede noch so gute Ablenkung schadet langfristig mehr als sie nutzt. Denn: Nicht verarbeitete Trauer kann die Seele krank machen. Um diese Ruhe zu gewährleisten, können wir dem Trauernden
Praktische Hilfe anbieten
Die Kinder betreuen, Einkäufe erledigen, Kochen für alle, Hilfe bei Behördengängen oder bei Terminen rund um die Bestattung, den Hund ausführen, Botendienste oder „Taxidienst“ übernehmen… Dabei versuchen wir achtsam und diskret zu sein – und erwarten keinen Dank!
Gemeinsames Reden über den Verstorbenen
Was war er für ein Mensch? Gibt es gemeinsame Erlebnisse? Was waren seine größten Stärken und auch Schwächen? Kennst Du selbst Anekdoten – kleine witzige Begebenheiten – über die man gemeinsam lachen kann?
Hüten sollten wir uns davor, die Trauer zu bagatellisieren mit Sätzen wie: „Das wird schon wieder“ oder „Ich verstehe dich“. Stattdessen ist es besser, den Menschen in den Arm zu nehmen, wenn er es zulässt. Trauernde Menschen befinden sich häufig in einem Gefühlschaos. Traurigkeit, Wut, Zorn, Hilflosigkeit, Schuld wechseln mit Ohnmacht und Sprachlosigkeit – gleichzeitig möchten sie schreien. Alles das ist erlaubt und wir sollten den Trauernden bei diesen Gefühlsschwankungen unterstützen, indem wir alles zulassen und nichts wegtrösten oder gar versuchen zu beruhigen. Diese Gefühle sind gesund und helfen bei der Verarbeitung der Trauer.
Nichts persönlich nehmen
Trauer macht wütend und böse. In den Augen des Trauernden geht unser Leben einfach so weiter, als ob nichts wäre. Die Trauer schärft den Blick für das Wesentliche, für das, was wirklich im Leben zählt. Aus seiner Sicht, beschäftigen wir uns nur mit unwichtigen Dingen, dadurch werden wir manchmal zum Ziel der Wut. Wir sollten versuchen, dies nicht als persönlichen Angriff zu werten, sondern als Ausdruck der Trauer.
Keine Vorwürfe machen
Bei allem Verständnis und aller Hilfsbereitschaft kommen wir vielleicht irgendwann an den Punkt, an dem wir das Gefühl haben: „Das ewige Geheule muss doch langsam mal aufhören. Das Leben geht schließlich weiter!“. Unterlasse aber bitte jeden Vorwurf! Jeder Trauernde hat ein Recht, seinen Trauerprozess auf die Art und in der Zeit zu erleben, wie es für ihn richtig ist. Jeder Mensch trauert anders. Der Prozess kann sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen. Alles ist ok. Wichtig ist, dass er am Ende wirklich loslassen kann.
Manchmal ist es jedoch sinnvoll, sich Hilfe für die Trauerarbeit zu suchen. Dies entscheidet aber der Trauernde selbst.
Hilfreiche Links:
| Bundesverband verwaiste Eltern e. V. | |
| Telefonseelsorge (kostenlos, anonym)
oder |
0800/1110111 0800-1110222 |
| Trauerhilfe online |
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| Online Beratung in Krisensituationen |
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| Nakos (nationale Selbsthilfegruppen) |
|
Bücher zum Thema:
Einen geliebten Menschen verlieren: Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer
Ohne dich: Hilfe für Tage, an denen die Trauer besonders schmerzt
Meine Trauer wird dich finden!: Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit
Trauer hat heilende Kraft: Geduldige und einfühlsame Begleitung für Trauernde
foto: © knipseline / PIXELIO www.pixelio.de
Tags: Leben, Tod, Trauer, Wissen
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